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Irish Open 2008 oder das Chaos hat einen neuen Namen

Irish Open – über dieses Turnier hatte ich viel gelesen und gehört, das größte Turnier in Europa sollte es sein, nur die Besten der Besten können hier gewinnen. Auf der Homepage von Veranstalter Roy Baker wurde mit dem Slogan “Where Heroes are born” geworben. Aus diesem Grund wollte ich auch dabei sein, doch leider kam es anders und mir blieb nur der Slogan „Außer Spesen nichts gewesen“, oder wie es im Englischen so schön heißt, “Huge expense, no recompense”, aber die waren wenigstens hoch.
Für mich war es der erste Besuch auf der „Grünen Insel“, wie man Irland ja auch noch so nennt. Die ganze Anreise, sowie der Flug (Fluch), stand für mich unter einem ungünstigen Stern.
In ganz Europa war an diesem Wochenende erhebliche Sturmwarnung gemeldet. Bedingt durch den Sturm und einen technischen Defekt des Flugzeuges startete ich erst ca. 3 Stunden später. Aber damit noch nicht genug, ich flog auch 1 Stunde länger, so dass ich die starken Turbulenzen auch so richtig auskosten konnte.
Endlich wieder festen Boden unter den Füßen, wenn es auch nur Inselboden war, wollte ich nur noch meine Koffer holen und dann ab ins Hotel, Essen und schlafen gehen. Sollte auch kein großes Problem sein, nach ca. 45 Minuten hatte ich sie auch schon – die Koffer, dann noch einmal 30 Minuten am Taxistand anstehen und noch einmal ca. 45 Minuten mit dem Taxi zum Hotel für schlappe 45 Euro. Als ich um ca. 2.30 Uhr

Nachts im Hotel ankam, erhielt ich natürlich nichts mehr zum Essen. So wählte ich dann aus lauter Verzweiflung an der Hotellobby eine kleine (0,2l) Cola light für 3,50 Euro.
Was soll's? Morgen ist ja die große Irish Open und ich bin mit dabei!!

Das Frühstück fiel für mich eher spartanisch aus, da ich morgens um 07.30 Uhr noch nicht wirklich Hunger auf Bratwürste, verbrannten Speck oder gar Bohnen mit Tomatensoße hatte.
Aber egal, jetzt ging es los: mit dem Taxi zur Halle (hin und zurück für 30 Euro), die Startgebühr hatte ich zuvor schon bezahlt, zwei Disziplinen 50 Euro. Wenn schon denn schon. Wie es sich für einen richtigen Deutschen gehört, war ich selbstverständlich schon 45 Minuten vor Turnierbeginn in der Halle. Was sich ganz klar als Fehler herausstellte, da das Turnier nicht pünktlich begann, sondern mit ca. 2 Stunden Verspätung. Aber gut, dies kann ja mal vorkommen.
Nun war es endlich soweit, es sollte losgehen, auf 12 Kampfflächen, nur Wer? Wann? Was?, das wusste keiner so wirklich. Und dann gab es da noch so ein kleines Problem: dass Aufwärmen „Warm Up“ Wo?
In meiner Naivität dachte ich, es gäbe in der Basketball-Arena noch einen anderen Platz, eine kleine Nebenhalle, um sich hier auf die harten Kämpfe und die harten Gegner vorzubereiten.
Aber diesen Platz gab es definitiv nicht, was mir die Sportler, die schon einmal da gewesen waren, mit einem Lachen im Gesicht bestätigten. Platz, das war auch das Schlagwort an diesem Tag.

Platz gab es überhaupt gar keinen, weder zum Aufwärmen, noch zum Zuschauen, oder um sich nur einmal auszuruhen. Was es viel gab in der Halle waren Menschen (laut Ausrichter 2000 Starter), Menschen wohin man nur schaute – auf der Tribüne, in den Gängen, um die Kampfflächen, auf den Kampfflächen – überall nur Menschen.

Auch die Delegation aus Ebern v.l.n.r. Jürgen Schorn, Antje Schorn und Natalia Hein wollten nur nach Hause. “The way back home”.

Aber jetzt musste ich durch und zum Glück kam meine Klasse auch gleich ziemlich am Anfang an die Reihe.
Die Gewichtsklasse wurde aufgerufen. Somit mussten sich alle Sportler, in meiner waren es 79 Starter, auf der Kampffläche einfinden. Vom Hauptkampfrichter, der in Jeans mit Straßenschuhen, ohne weißes Hemd oder gar Fliege aber mit Goldkettchen umhängt war, wurden die Namen verlesen.

Jeder musste sich mit einem lauten und deutlich ‘Yes’ melden und neben der Kampffläche Platz nehmen. Man durfte sich nicht mehr vom Fleck bewegen, bis man mit seinem Kampf an der Reihe war. Ich war die Kampfnummer 20. In der 1-Stunde-Wartezeit hatte ich doch mehr als genügend Zeit, um nachzudenken, dass hier in Irland anscheinend andere Sportwissenschaftliche Gesetze bezüglich des Aufwärmens und der direkten Vorbereitung vor dem Wettkampf gelten. Auch das, was ich im Sportleistungskurs über dieses Thema gelernt hatte, interessierte hier anscheinend niemanden.
Endlich war es soweit, meine Motivation hielt sich in Grenzen, die Füße taten mir vom Sitzen auf 1 m² weh und die 1 x 3 min Kampfzeit schmeckte mir auch nicht so recht. Taktik war hier nicht gefragt. Von 0 auf 100 hieß hier die Devise und der übliche Spruch rundete das alles noch ab – „Alle haben die gleichen Voraussetzungen“. Nur, dass wir unser Training anders aufbauen, interessierte hier wieder keinen.

Die erste Minute lief es bei mir auch ganz gut, doch dann auf einmal wurde es mir ganz schlecht ich stand regelrecht neben mir. Mein Trainer meinte auch, das ich ganz blass wäre und ob es mir noch gut ginge. Nach dem verlorenen Kampf und einer Weile Pause ging es dann schon wieder. Ich konnte es noch gar nicht glauben, es war alles vorbei und ich war draußen. Draußen! Noch nicht ganz, ich hatte mich ja auch noch für die Open Devision (ohne Gewichtsklasse) angemeldet. Wiederum nach 8 Stunden Wartezeit war es soweit, es ging los! Was ich bis dato noch nicht wusste war, dass ich im ersten Kampf auf meinen Bekannten aus Deutschland, ja quasi aus einem Nachbarverein treffen sollte, der zu den besten Kämpfern Deutschlands zählt und somit war auch diese Klasse für mich auch erledigt. Das war sie also, die Roy Bakers Irish Open 2008 – “Where Heroes are born”.
Einige der alten Hasen erinnern sich vielleicht noch an das Turnier von Unna. Dieses Turnier war doch wirklich das reine Chaos – aber jetzt hat das Chaos einen neuen Namen – Irish Open.

Wer es gerne mal live erleben will – nächstes Jahr im Februar habt ihr wieder die Möglichkeit bei der Irish Open 2009 dabei zu sein. Aber sagt danach ja nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Text und Fotos: Von Einem, der dabei sein wollte, es aber besser hätte bleiben lassen sollen.

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