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WAKO PRO-Gala in Köln
Eine WAKO PRO-Gala mit Leichtkontaktkämpfen gibt es selten genug in der immer größer werdenden Kickboxwelt. Denn für die potentiellen Veranstalter stellt sich die stets Frage, ob eine solche Gala überhaupt rentabel ist. Mehr noch: WAKO PRO-Veranstaltungen gehen auch immer mit einem finanziellen Risiko einher. Es müssen Kosten für Sportler, Offizielle, den Austragungsort und Sonstiges aufgebracht werden. Aber sind mit einer Leichtkontaktgala genügend Zuschauer zu mobilisieren, die diese Kosten decken?
Einer wollte dies genau wissen: der Leichtkontakt-Bundestrainer der WAKO Deutschland e.V., Peter Zaar. Er war der Meinung, dass das deutsche Leichtkontakt-Kickboxen hochwertig genug ist, um eine solche Veranstaltung zu realisieren. Außerdem wollte er verdienten Sportlern die Möglichkeit geben, einmal in einem solchen professionellen Rahmen zu kämpfen. Schon in der ersten Hälfte des Jahres begann er damit, nach potentiellen Sportlern und einem Ausrichtungsort für sein Vorhaben zu suchen. Er begeisterte, nicht zuletzt durch seine überzeugende Persönlichkeit, verschiedene Sportler für seine Idee. Aber wo sollte die Gala stattfinden? Auf diese Frage gab es für Peter eigentlich nur eine Antwort: In dem Studio, in dem er selbst aufgewachsen ist und in dem in der Vergangenheit schon grandiose Kickbox-Galas stattgefunden haben, im Kölner Sportstudio des WAKO-Urgesteins Gustav Baaden, dem Sportstudio Baaden. Hier gibt es einen wettkampftauglichen Hochring und genügend Platz für Zuschauer. Es ist ein Studio, das den Rahmen für eine solche Veranstaltung hergibt, und nicht zuletzt ein Studio, das von einer kickboxverrückten Familie Baaden geführt wird, die ein solches Unternehmen mit all ihren Mitteln unterstützen würde.
Peter Zaar hatte einen weiteren Anspruch an diese Veranstaltung. Er wollte Titelkämpfe mit den Besten der jeweiligen Gewichtsklasse. Denn wie oft erlebt man es, egal ob im Boxen oder im Kickboxen, dass völlig unbekannte Sportler um Titel jeglicher Art kämpfen. Nicht so bei Peter. In fast jeder der angesetzten Paarungen, die Gewichtsklasse der Damen bis 65kg ausgenommen, war die aktuelle Nummer eins aus Deutschland vertreten. Und so entstand letztendlich folgendes Programm:
Abgerundet wurde das Programm durch zwei Einlagekämpfe: einen Leichtkontakt-Kampf zweier Kölner Nachwuchssportler und einen Boxkampf.
Zum Kickbox-Einlagekampf
Peter Zaar Junior vs. Nico Rings
Zwei junge Sportler aus Köln eröffneten den Abend mit einem Showkampf. Peter Zaar Junior und Nico Rings zeigten, dass auch junge Sportler Kickboxen auf technisch hohem Niveau beherrschen können. Dieser Kampf ließ schon erahnen, was der weitere Abend bringen würde.
Zu den Titelkämpfen
Achmed Nabo vs. Markus Fritsch
Der frisch gebackene Leichkontakt-Weltmeister wollte nun auch noch den Titel des Deutschen Meisters der WAKO PRO erkämpfen. Sein Gegner war Markus Fritsch aus Bayern, der von seinem Heimtrainer Kai Becker hervorragend auf diesen Kampf eingestellt worden war. Dennoch fand Achmed deutlich schneller in den Kampf und konnte von Anfang an klare Treffer landen. Und so begann Markus erst nach der ersten Rundenpause, das vorab besprochene Konzept umzusetzen. Er begann nun damit, Druck auf Achmed auszuüben, und konnte diesen von Runde zu Runde erhöhen. Doch das alleine reicht nicht, um einen Kampf zu gewinnen. Man muss auch zählbare Treffer erzielen. Das wiederum machte Achmed einfach besser. Ihm gelangen immer wieder klare Treffer mit Füßen und Fäusten. In der Schlussrunde musste er sich nochmals starken Angriffen von Markus widersetzen. Aber auch dies gelang unserem Weltmeister, der den Kampf am Ende verdient gewann.
Maneka Kissel vs. Natascha Bauer
Mit Maneka Kissel, die gerade Vizeweltmeisterin geworden war, stand die erste Kämpferin vom Sportstudio Baaden im Ring. Sie kämpfte gegen Natascha Bauer aus Bayern, die recht kurzfristig eingesprungen war. Unter diesen Voraussetzungen schienen die Rollen für diesen Kampf klar verteilt. Maneka war klare Favoritin und sollte den Kampf deutlich gewinnen – dachte man! So einfach sollte es Maneka jedoch nicht haben. Natascha konnte sie immer wieder überraschen und vor allem mit guten Fausttechniken Punkte sammeln. Maneka kickte jedoch etwas besser und schaffte es zeitweise auch gut zu kombinieren. Sie brauchte also ihre ganze Routine, um Natascha zu besiegen, was sie zum Ende auch, und das verdientermaßen, schaffte. Von der jungen Sportlerin Natascha Bauer aus Bayern wird wohl in Zukunft noch mehr zu hören sein.
Melanie Pflüger vs. Jessica Heymann
Dies war der einzige Titelkampf des Abends, an dem die Ranglistenerste nicht teilnahm. In der einen Ecke stand die Ranglistenzweite, Melanie Pflüger aus Köln, und in der anderen Ecke Jessica Heymann aus Darmstadt. Die beiden Kontrahentinnen sind zwei erfahrene Sportlerinnen, die beide schon Titelehren bei den Amateuren errungen haben. Sie hatten allerdings noch nie gegeneinander gekämpft, da sie sonst in unterschiedlichen Gewichtsklassen starten. So war eine Prognose für diesen Kampf recht schwer. Jessica war sicherlich die erfolgreichere Sportlerin, hatte aber Größen- und Gewichtsnachteile. Gleich zu Beginn des Kampfes war das zu spüren. Melanie versuchte, ihre körperlichen Vorteile auszunutzen, drückte Jessica und landete einige Treffer mit Hand- und Fußtechniken. Es hatte den Anschein, als ob sich Melanie so einen geringen Vorteil erarbeiten konnte. Daraufhin änderte Jessica ihr Kampfkonzept, sie bewegte sich nun deutlich mehr.
Ständige Richtungswechsel und Angriffe in günstigen Kampfsituationen führten dazu, dass Melanie nicht mehr richtig treffen konnte und zusätzlich in ihren Aktionen verunsichert wurde. Sie griff nun nicht mehr mit letzter Konsequenz an, was der Strategie Jessicas entgegen kam. Jessica setzte dieses Vorgehen weiter durch und konnte im Verlauf des Kampfes immer wieder klare Treffer landen. Zum Ende des Kampfes konnte sich Melanie nochmals mobilisieren und schaffte es wieder, ihre Vorteile in Trefferpunkte umzusetzen. Als der Schlussgong ertönte, hatten die Zuschauer einen hinreißenden Kickboxkampf gesehen, dessen Urteil mit Spannung erwartet wurde. Die einstimmige Punktsiegerin hieß Jessica Heymann aus Darmstadt.
Patrick Miesen vs. Stefan Bücker
In diesem Kampf standen sich die Nummer 1 und Nummer 2 der Leichtkontakt-Rangliste in der Gewichtsklasse bis 84kg gegenüber. Der frisch gebackene Vizeweltmeister Stefan Bücker aus Stuttgart war der klare Favorit, auch wenn sein Gegner Patrick Miesen vom Kölner Sportstudio Hara momentan wohl der einzige ist, der Stefan ernsthaft gefährden kann. Dies hatte er eindrucksvoll auf der diesjährigen Deutschen Meisterschaft in Leipzig gezeigt. Da Patrick etwas kleiner ist als Stefan und dieser über die besseren Fußtechniken verfügt, sah Patrick seine Chance darin, Stefan kontinuierlich unter Druck zu setzen und ihm mit Körpertreffern die Luft zu nehmen. Dieses Konzept setzte Patrick von der ersten bis zur letzten Minute des Kampfes um. Allerdings kommt Stefan mit kontinuierlich angreifenden Gegnern recht gut klar. Er punktete unentwegt im Rückwärts- und im Seitwärtsgang sowohl mit Händen als auch mit Füßen – und dies in einer unheimlich hohen Frequenz. So rannte Patrick von Anfang an einem Rückstand hinterher. Dennoch zeigte sein Konzept in der vierten Runde Wirkung und Stefan zeigte aufgrund der hohen Schlagfrequenz, der Körpertreffer und der weiten Wege, die er im Verlauf des Kampfes zurücklegte, deutliche Ermüdungserscheinungen. Dies versuchte Patrick in der letzten Runde noch einmal auszunutzen und sammelte nun seinerseits Punkte. Doch zu spät: In einem hinreißenden Kampf zweier Klassekickboxer konnte Stefan verdient den Titel des Deutschen Meisters der WAKO PRO gewinnen.
Sascha Schuchardt vs. Turan Yavuz
Sascha Schuchardt, der zweite Sportler vom Sportstudio Baaden Köln, hatte den erfahrenen Turan Yavuz aus Gelsenkirchen zum Gegner. Der hatte sich gegen den deutlich jüngeren Ranglistenersten Einiges vorgenommen und startete den Kampf enorm konzentriert und konsequent. Im Gegensatz dazu hatte Sascha noch etwas Ladehemmung zu Beginn des Kampfes. Somit war der Kampf in den ersten beiden Runden recht ausgeglichen. Ab der dritten Runde begann sich das Blatt jedoch zu wenden. Dies hatte mehrere Ursachen. Erstens konnte Turan das Tempo und das kämpferische Niveau nicht länger halten, und zweitens fand Sascha nun langsam die richtige Distanz und landete empfindliche Körpertreffer. Diese Treffer hinterließen Wirkung bei Turan, seine Kräfte schwanden noch schneller. Dies sah auch Coach Dirk Kindl, der in der vierten Runde, nach einem weiteren Wirkungstreffer zum Körper, das Handtuch schmiss und den Kampf beendete. Somit wurde Sascha Schuchardt Deutscher Meister der WAKO PRO.
Christian Pohl vs. Christian Feld
Auch Christian Pohl vom Sportstudio Hara aus Köln gehört zu den Leichtkontaktsportlern, die in Deutschland wenig Konkurrenz haben. Er ist ein Sportler, der in seinen Kämpfen technisch hochwertiges Kickboxen demonstriert und in der Regeln topfit antritt. So war es für die Veranstalter auch nicht einfach, einen entsprechenden Gegner zu finden. Christian Feld, ein gut ausgebildeter Rechtsausleger aus Gelsenkirchen, war bereit gegen Christian anzutreten. Der Kampf verlief über die kompletten fünf Runden nach gleichem Bild. Christian Feld versuchte Christian Pohl vor allem mit Fausttechniken immer wieder in Bedrängnis zu bringen. Dieser ließ sich aber nicht beeindrucken und punktete klar mit Hand- und Fußtechniken, wobei immer wieder spektakuläre Tritte ihr Ziel fanden. Somit hatten die Punktrichter einen leichten Job in diesem Kampf – einstimmiger Punktsieger: Christian Pohl aus Köln.
Am Ende waren alle Beteiligten der Veranstaltung vollends zufrieden: die Leichtkontaktsportler, die selten genug in den Genuss von WAKO PRO-Kämpfen kommen, die Veranstalter, die es geschafft hatten, ein abendfüllendes Programm mit hochwertigen Leichtkontaktkämpfen zu organisieren, und die ein ausverkauftes Sportstudio Baaden hatten, mit Zuschauern, die an diesem Abend vollends zufrieden nach Hause gingen.
Logische Konsequenz dieser Gala wäre eigentlich eine Wiederholung am Ende des nächsten Jahres, bei dem es dann auch Titelverteidigungen zu sehen gibt.
Text: Bernd Reichenbach
Bilder: Günter Schuchardt
Letzte Änderung: 11.01.2012 Zurück |
WAKO PRO VOLLKONTAKT GALA am 16.06.2012 in Fulda |
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